Fassade verputzen: Eine Anleitung
Ein Haus ohne Putz ist zwar bewohnbar, aber nicht schön anzusehen. Erst der Putz schließt die Fassade ab. Die Putzschicht schützt die Hauswand vor Witterung und somit zum Beispiel vor eindringender Feuchtigkeit oder Frost. Der Fassadenputz stellt zudem eine erste Schicht der Wärmedämmung dar und ist die wichtigste Basis für einen sauberen Fassadenanstrich, bei dem die Farbe gleichmäßig angebracht wird. Denn auch für eine Hausfassade gilt: Der erste Eindruck zählt! Ob bei der Sanierung eines alten Hauses, nachdem der alte Putz von der Fassade entfernt wurde, oder beim Neubau eines Gebäudes mit neuem Anstrich – diese Anleitung führt Sie sicher bis zum verputzten Mauerwerk.
Anforderungen: Wand verputzen leicht gemacht?
Bevor Sie sich entscheiden, Ihre Außenfassade selbst mit Putz zu versehen, sollten Sie sich über die Anforderungen an dieses komplexe Unterfangen bewusst werden. Denn im Gegensatz zur Innenwand fordert der Außenputz Sie noch zusätzlich heraus. In unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigen wir Ihnen die wichtigsten Schritte und mögliche Fehlerquellen. In jedem Fall empfehlen wir, bei den einzelnen Schritten zusätzlich zu unserer Anleitung eine fachkundige Beratung in Anspruch zu nehmen.
Können Sie die Fassade selbst verputzen?
Wenn Sie Ihre Fassade selbst verputzen möchten, sollten Sie die Grundvoraussetzungen kennen. Etwas Erfahrung im Umgang mit den Werkzeugen und Mörteln ist durchaus von Vorteil. Wenn beim Antrocknen der richtige Zeitpunkt verpasst wird, geht das ganze Projekt wortwörtlich zu Bruch.
Planen Sie ausreichend Zeit und Unterstützung ein (mindestens sechs Arbeitstage verteilt über mehrere Wochen). Beim Verputzen der Wand ist es sinnvoll, zu zweit oder besser zu dritt zu sein. Eine Ausnahme sind kleinere Wände, wie kleine Garagen oder Gartenhäuser, die auch alleine verputzt werden können.
Die eigenhändige Fassadengestaltung ist nicht kostenlos: Material, Werkzeuge und Zubehör schlagen je nach Größe ebenfalls mit einem stattlichen Preis zu Buche. Falls Sie Ihre Fassade selbst verputzen möchten, sollten Sie auf hochwertiges Material und passendes Werkzeug achten. Auf diese Weise kann viel Geld eingespart werden. Die Mehrkosten für professionelles Verputzen hingegen garantieren Ihnen dafür ein langfristiges und sauberes Resultat. In jedem Fall ist es dementsprechend ratsam, bei Unklarheiten das nötige Fachpersonal zu konsultieren.
Wann kann man eine Fassade verputzen?
Für das Wand-Verputzen spielen außen auch die Umweltbedingungen eine zentrale Rolle. In jedem Fall muss die Außentemperatur durchgehend bei mindestens +5 °C liegen. Zudem sollte eine Zeit gewählt werden, in der es voraussichtlich wenig regnet und keine extreme Hitze vorkommt. Ideal sind also Frühling und Frühsommer.
Material – Welcher Putz für die Fassade?
Das richtige Material entscheidet maßgeblich über die Qualität des Putzes an Ihrer Außenwand und ist der erste Schritt zum richtigen Verputzen.
Man unterscheidet zwischen zwei Arten von Putz: Mineralische Putze bestehen aus Sand und mineralischen Bindemitteln. Eine beliebte Sorte ist der Kalk-Zement-Putz, der Kalk und Zement als Bindemittel nutzt. Er ist weniger feuchtigkeitsbindend, aber dafür wasserabweisender und etwas günstiger als reiner Kalkputz. Mineralischer Putz ist generell weniger anfällig für Schimmel, muss aber länger trocknen und oftmals speziell nachbehandelt werden. Organischer Putz nutzt zusätzlich Kunstharz zur Bindung. Das organische Bindemittel verhilft dem frischen Putz zu besserer Haftung und schnellerer Trocknung. Zudem ist diese Art Putz elastischer und daher weniger anfällig für Risse. Nachteil: Er ist weniger atmungsaktiv und schimmelt leichter.
Mit welchem Putz Sie Ihre Hausfassade verputzen sollten, hängt stark vom Standort und dem Mauerwerk (Dämmung und Oberfläche) Ihres Hauses ab. Lassen Sie sich auch bezüglich des Untergrunds und des verwendeten Putzes zunächst im Baumarkt beraten. Wichtig: Mit einer Schicht Putz ist es leider nicht getan. Zum Verputzen Ihrer Hauswand benötigen Sie mehrere verschiedene Putze, Mörtel und eine Grundierung.
Die volle Liste lautet:
- Tiefengrund
- Grundierung
- Unterputz
- Oberputz (verschiedene Profile und Farben beachten!)
- Putzschienen
- Armierungsgewebe
- Mörtel
- Dichtschlämme
- Klebespachtel
- Malerplane und Malervlies
- Maskerband, Abdeckband und Klebeband
Um von allem die richtige Menge zu kaufen, müssen Sie das Haus Wand für Wand ausmessen. Dabei nicht die Fenster, Türen und Tore sowie deren Laibungen vergessen
Werkzeug – Verputzen Sie Ihre Wand wie ein Profi!
Das richtige Werkzeug verhilft Ihnen zum Erfolg! Legen Sie sich alles bereit, bevor es losgeht, damit Sie nicht nach dem Anmischen von Mörtel oder Putz noch einmal zum Baumarkt müssen und unter Zeitdruck geraten.
Zunächst ist es wichtig, dass Sie für hohe Wände und große Fassadenflächen ein mobiles Gerüst haben. Auf dem HAILO G60 Multifunktionsgerüst stehen Sie auf der Plattform in einer Höhe von 2,33 Meter und bis zu 4,33 Meter Arbeitshöhe sicher und komfortabel bei der Arbeit. Dank der Transportrollen können Sie das Gerüst bei Bedarf schnell und einfach weiterbewegen.
Falls Sie weniger hoch arbeiten müssen, genügt auch die Universalleiter HAILO M60, die sich dank rutschfester Metallplattform zu einer Arbeitsbühne umbauen lässt.
Neben der Steighilfe brauchen Sie natürlich eine geeignete Schutzausrüstung, bestehend aus Handschuhen, Schutzbrille, Atemschutz und gegebenenfalls sogar einem Helm.
Zum Verputzen der Fassade benötigen Sie in jedem Fall:
- Maßband, Wasserwaage und Schlagschnur
- Schere und Messer
- Eimer, Kübel, Wasser und Rührgerät zum Anrühren
- Spachtel: Glättkelle, Fassadenspachtel
- Reibebrett und Schleifraspel
- Farbroller und Malerpinsel
Schritt 1: Fassade vorbereiten
Nun können Sie mit dieser Anleitung loslegen! Zuerst müssen Sie etwaige Löcher und Unebenheiten an der Wand ausbessern. Hierfür genügt eine kleine Menge Spachtelmasse oder Zement zum Ausbessern von Löchern und der Gitterrabot hilft beim Abschlagen von überstehenden Teilen an der Mauer. Damit erzeugen Sie einen ausreichend glatten Untergrund für ebenso glatte Wände in verputztem Zustand.
Dann sollten die Fallrohre entfernt und durch Regenschläuche, die von der Wand wegführen, ersetzt werden. Das Loch für die Entwässerung muss natürlich abgedichtet sein.
Reinigen Sie dann Fenster und Türen und bringen Sie Anputzleisten an. Diese sowie Gebälk und Fensterbretter sollten mit Folie und Maskerband abgeklebt werden. Dabei muss die geplante Putzstärke bedacht werden, um zu vermeiden, dass das Klebeband am Ende unter dem neuen Putz liegt.
Stark saugende Untergründe, wie Ziegel oder Porenbeton, werden zur Vorbehandlung mit Tiefengrund bepinselt. Große Flächen können auch mit einer Druckspritze besprüht werden. Das Ganze muss über Nacht trocknen, bevor es weitergehen kann.
Um später Risse zu vermeiden, müssen nun noch die Übergänge zwischen verschiedenen Baumaterialien Ihres Mauerwerks mit Armierungsgewebe überdeckt werden. Das Gewebe sollte je ca. 10 cm auf jedem Material aufliegen. Hierfür ist der Klebespachtel gedacht: Mit kaltem Wasser anrühren und eine dünne Schicht am Übergang auftragen. Das Armierungsgewebe auflegen. Mit der gezahnten Seite der Klettkelle mehr Spachtelmasse auftragen und mit der glatten Seite oder dem Fassadenspachtel glattstreichen. Dasselbe kann auch rund um die Ecken von Türen und Fenstern gemacht werden, wo sich ebenfalls oft Risse bilden.
Schritt 2: Sockel abdichten
Ist die Außenwand bis dahin vorbereitet, kann der Sockel abgedichtet werden. Das muss vom Boden bis in ca. 30-50 cm Höhe geschehen und schützt besonders gegen Spritzwasser. Eine waagerechte Linie auf die Mauer zeichnen und angrenzende Flächen abkleben. Dann kann die Dichtungsschlämme angemischt und mit einem Pinsel oder Quast bis kurz unter die Linie aufgetragen werden. Zuvor den Sockel leicht nässen und die Schlämme dann in zwei Schichten aufbringen.
Während die Fläche noch feucht ist, ist der Vorspritzmörtel dran. Dieser wird mit etwas Schwung an die Mauer geworfen, das erlaubt eine bessere Haftung der Putze am Untergrund.
Schritt 3: Putzschienen anbringen
Zur Vorbereitung der nächsten Schichten und für eine glatte Oberfläche sind die Putzschienen wichtig. Sie definieren die Putzstärke und erlauben so gleichmäßige Putzschichten.
An jeder Ecke sollten Eckschienen fixiert werden. Dazwischen kommen die Schnellputzschienen auf die Fläche und am Übergang zum abgedichteten unteren Teil die Sockelabschlussschienen. Die Schienen werden mit Mörtelklecksen oder Klebespachtel in regelmäßigem Abstand fixiert. Die Wasserwaage hilft hier beim Ausrichten. Am besten lassen Sie die Schienen mehrere Tage festtrocknen.
Schritt 4: Der Grundputz – die erste Putzschicht
Endlich kann das Verputzen der Fassade im eigentlichen Sinne beginnen! Auf den noch rohen Untergrund kommt zuerst eine Grundputzschicht. Im abgedichteten Sockelbereich empfehlen wir aufgrund der höheren Feuchtigkeit die Verwendung von Unterputz auf rein mineralischer Basis. Dieser wird bis auf ein paar Millimeter unter der Höhe der Schienen aufgetragen. Dann ca. eine Stunde antrocknen lassen und mit dem Reibebrett abfilzen. In der Antrocknungszeit kann bereits etwas Grundputz mit der Glättkelle in den Leimungen aufgetragen werden. Hier ist der richtige Zeitpunkt entscheidend: Bei Hitze muss gegebenenfalls sogar mit etwas Wasser nachgenässt werden.
Nun kann man mit Grundputz die Wand verputzen. Diesen anmischen, mit der Glättkelle aufbringen und mit einer Leiste zwischen den Putzschienen abziehen. Nach dem Antrocknen mit dem Gitterrabot die Oberfläche abreiben und mit der Kelle einen Schnitt bis zum festen Untergrund entlang der Holzbalken setzen, damit etwas Spielraum bleibt.
Für die nun anstehende 2-Wochen-Pause zum Durchtrocknen sollten Sie das Klebeband entfernen und Netze vor der Fassade (z.B. an der Regenrinne) aufhängen. Diese schützen die unfertige Fassade vor Witterung und Sonneneinstrahlung.
Schritt 5: Grundierung auftragen
Nach der Pause muss zuerst wieder alles abgeklebt werden. Als Nächstes kommt mittels eines Farbrollers von oben nach unten die Grundierung auf den Putz am Haus – nicht aber den abgedichteten Putz am unteren Ende bestreichen. Dieser erhält stattdessen eine zweite Schicht entsprechenden Unterputzes, der ebenfalls nach dem Antrocknen abgerieben wird. Zusätzlich kann man diesen für den nächsten Vorgang auch entlang des Übergangs zum oberen Wandteil abkleben.
Schritt 6: Der Oberputz – die zweite Putzschicht
Die zweite Schicht stellt der (in der Regel weiße) Oberputz dar. Dieser definiert die Struktur und das Aussehen der Fassade und ist daher besonders wichtig beim Verputzen.
Hier lohnt es sich, die Fassadennetze wieder abzunehmen, um mehr Platz zum Arbeiten zu erhalten. Danach kann man den Oberputz für jeweils eine ganze Fassadenseite anrühren und mit der Glättkelle in Kornstärke auftragen. Wichtig: Dabei immer in die gleiche Richtung und nass in nass arbeiten. Sobald der erste Teil der Fassade fertig ist, kann dieser mit dem Reibebrett in kreisenden Bewegungen abgerieben werden. Das schafft einen schönen Putz mit gleichmäßiger Struktur.
Fertig! Die verputzte Wand trocknen lassen
Am Ende heißt es nur noch: Lange trocknen lassen. Die Schutzlaschen an den Leisten und die Abklebungen können wieder entfernt, die Werkzeuge wieder gesäubert und verstaut werden.