Kippsicherung am Schrank anbringen
Schrank, Regal oder Kommode können schnell zu einer ernsthaften Gefahr werden, wenn sie nach dem Aufbau nicht richtig befestigt wurden. Kinder ziehen und spielen daran oder man selbst öffnet die Schubladen ruckartig, weil man in Eile ist. Verlagert sich dabei das Gewicht zu weit nach vorn, kann schnell einmal der Schrank oder das Regal umkippen.
Damit das nicht passiert, sollten Sie Möbel nach dem Aufbauen immer auch an der Wand oder am Boden befestigen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Kippsicherung anzubringen, die wir Ihnen hier vorstellen möchten.
Wann ist eine Befestigung sinnvoll?
Der Hersteller gibt in der Regel Auskunft darüber, ob und welche Befestigung von Schrank, Kommode oder Regal notwendig ist. Der Hinweis darauf findet sich in der Aufbauanleitung. Tipp: Hat man die Möbel nicht im Handel gekauft, sondern selbst gebaut oder auch geerbt, dann empfiehlt es sich zu testen, wann sie umkippen. Dazu müssen Sie alle Schubladen aus dem Schrank ziehen und nach und nach beschweren, um sicherzugehen, dass das Möbelstück bei normaler Belastung nicht kippen kann.
Unsere Empfehlung: Insbesondere im Kinderzimmer lohnt es sich, die Möbel an der Wand zu befestigen und gegen Umfallen zu sichern. Gerade Kindern passiert es aus Unachtsamkeit, Neugier oder Übermut, dass sie Möbelstücke umkippen und sich dadurch in Gefahr bringen. Sie setzen sich aus Spaß in eine Schublade oder benutzen offene Schubladen zum Klettern. Dadurch können Möbel schnell kippen und werden zur Gefahr für die Sicherheit Ihrer Kinder.
Befestigung an der Wand
Bei einer Wandmontage gibt es neben dem richtigen Material vor allem auch eine gute Vorbereitung zu beachten. Sie benötigen dazu sichere und passende Arbeitsmitteln sowie die richtigen Dübel. Diese wählen Sie anhand der Beschaffenheit der Wand aus.
Bei Wänden unterscheidet man zwischen Trockenbauwänden, leichten und massiven Wänden. Eine Trockenbauwand wird meist aus Gipskartonplatten gebaut. Leichte Wände sind beispielsweise aus porösem Porenbeton oder Lochstein. Massive Wände hingegen bestehen aus Ziegeln oder Beton. Ein Tipp, um die Beschaffenheit der Wand herauszufinden: klopfen. Eine Trockenbauwand klingt hohl und leicht. Eine massive Wand klingt dumpf und hart.
Sie können natürlich auch probeweise ein Loch bohren. Hierdurch erfährt man zum einen, wie stark der Widerstand für den Bohrer ist. Zum anderen gibt das Bohrmehl weitere Auskunft über die Zusammensetzung der Wand. Ist der Widerstand gering und lässt nach kurzer Zeit ganz nach, handelt es sich fast sicher um eine Trockenbauwand. Ist der Widerstand gering und variiert, könnte es eine leichte Wand aus Lochsteinen oder Porenbetonsteinen sein. Bei hohem Widerstand handelt es sich um eine massive Wand. Möchten Sie nicht auf gut Glück ein erstes Loch bohren, empfiehlt es sich, Ihren Vermieter anzurufen oder in den Unterlagen zu Ihrem Haus nachzusehen, wie massiv oder porös Ihre Wand ist.
Die Wahl des Dübels
Bei Dübeln gibt es eine große Auswahl. Ein Allzweck- oder Universaldübel kann die richtige Wahl sein, da er für viele Baustoffe geeignet ist. Damit ist er insbesondere für massive Wände ideal. Für Porenbeton, Gipskarton oder Lochstein sollten Sie spezielle Dübel verwenden, die für die geringe Tiefe der Gipskartonplatte, die poröse Struktur des Porenbetons oder die Löcher in den Lochsteinen gemacht sind. Für die Wahl des richtigen Dübels empfiehlt sich daher auch, beim Fachpersonal im Baumarkt nachzufragen. Neben Informationen zur Wand muss der Fachmann wissen, um welches Möbelstück und Gewicht es am Ende geht. Danach richten sich zudem Länge und Durchmesser.
Die wichtigsten Dübelarten haben wir Ihnen hier zusammengestellt. Der Federdübel eignet sich beispielsweise für Gipskartonplatten, Universaldübel sind meist als Spreizdübel konzipiert. Gasbetondübel eignen sich für Porenbetonsteine, Rahmendübel für hinterlüftete Fassaden und Lochsteine. Schwerlastdübel benötigen Sie in diesem Fall eher nicht.
Hinweis: Ganz auf einen Dübel verzichten kann man übrigens im Falle einer Massivholzwand. Trockenbauwand oder Gips enthalten hierbei eine Holzstrebe. Zur Befestigung wird die Schraube ohne Dübel direkt in die Strebe geschraubt.
Die Wahl der Schraube
Am besten werden Schrauben und Dübel zusammen als Set gekauft, denn die Kompatibilität von Dübel, Schraube und Bohrloch ist am Ende entscheidend. Als allgemeine Regel bei Schrauben gilt: Im Vergleich zum Dübel müssen die Schrauben länger sein und in etwa um die Länge ihres Durchmessers überstehen. Außerdem sollte die Schraube nicht zu dick sein und einfach in den Dübel zu drehen sein, aber auch nicht lose darin sitzen.
Anleitung zur Montage
Nun benötigen Sie nur noch einige Winkel aus Metall, die am jeweiligen Möbelstück verschraubt und mittels Schraube an der Wand zu befestigen sind.
Haben Sie die passenden Arbeitsmaterialien zusammen, gibt es grundsätzliche Schritte zur Montage, die sich von Fall zu Fall kaum unterscheiden. Der Schrank wird an der gewünschten Stelle im Raum platziert. Um die Stelle für die spätere Halterung zu markieren, empfiehlt es sich, den Schrank ohne Rückwand an die Wand zu stellen. Legen Sie den Winkel an und markieren Sie mit einem Stift die Punkte, wo später die Schrauben in die Wand sollen. Bewegen Sie das Möbelstück wieder etwas zur Seite und nehmen Sie einen Bohrer zur Hand, um das Loch in die Wand zu bohren. Ist die Wand gefliest, sollten Sie die Fliese ohne Schlagbohrfunktion vorsichtig anbohren – oder besser gleich die Löcher nur in den Fugen platzieren. Nun kann der Dübel in das Bohrloch gedrückt oder gehämmert werden. Anschließend werden die Winkel verschraubt.
Für die Montage der Kippsicherung hoher Schränke benötigen Sie eine Steighilfe. Die HAILO L60 StandardLine ist mit bis zu acht Stufen erhältlich und bietet Flexibilität und Sicherheit bei Arbeiten in der Höhe. Rutschsichere Steckfüße und Stufen mit Anti-Rutsch-Riffelung sorgen für die nötige Stabilität beim Bohren. Besonders hilfreich: die Multifunktions-Ablageschale zur Ablage von Werkzeugen und Kleinteilen.
Wandmontage: Kleben statt bohren
Es besteht auch die Möglichkeit, die Kippsicherung ohne Bohren an der Wand anzubringen. Das bietet sich vorrangig bei Regalen an. Damit sparen Sie sich den Aufwand, ein Loch in Ihre Wand zu bohren, und riskieren nicht, Fliesen zu beschädigen. Der Kleber für die Wandbefestigung richtet sich nach Größe und Gewicht des Regals sowie nach dem Untergrund, auf dem es befestigt wird.
Sehr kleine und leichte Regale haften bereits mit doppelseitigem Klebeband auf Fliesen. Ein ähnliches Gewicht wie das Klebeband können auch spezielle Klebestrips an der Wand befestigen. Diese können je nach Untergrund ausgewählt werden und sind auch auf tapezierten Wänden verwendbar. Dagegen halten Montagekraftkleber größere und schwerere Möbel, sind jedoch nicht für alle Untergründe gleich gut geeignet. Auch dazu können Sie sich im Baumarkt beraten lassen. Wichtig ist auch, den Kleber regelmäßig zu prüfen, da dieser durch Feuchtigkeit oder Temperaturschwankungen seine Kraft verlieren kann. Sind Sie sich unsicher, nutzen Sie jedoch besser Winkel und Schrauben zur Befestigung der Kippsicherung.